
SFM setzt Streiks aus – aber die Sicherheitsfrage bleibt offen
SFM setzt Streiks aus – aber die Sicherheitsfrage bleibt offen
Die Mitarbeiter der Zuggesellschaft SFM haben angekündigte Streiks vorerst ausgesetzt – nach einem Treffen mit der Geschäftsführung geht es morgen weiter. Der Betriebsrat verlangt ein eigenes Gremium zur systematischen Erfassung von Vorfällen. Was jetzt folgen muss, damit die Ruhe hält.
SFM setzt Streiks aus – aber die Sicherheitsfrage bleibt offen
Die angekündigten Arbeitsniederlegungen bei Mallorcas Zuggesellschaft SFM sind vorerst abgesagt. Nach einem gestrigen Gespräch zwischen Vertretern der Beschäftigten und der Geschäftsführung wurde vereinbart, die Verhandlungen über Sicherheitsmaßnahmen fortzusetzen; die nächste Runde ist für morgen um 10:30 Uhr angesetzt. Der Betriebsrat pocht unter anderem auf ein eigenes Sicherheitsgremium, das Zwischenfälle und Unfälle systematisch erfasst und auswertet. Sollte es bei den Verhandlungen bei vagen Zusagen bleiben, heißt es: Streiks könnten jederzeit wieder aufgenommen werden.
Leitfrage
Reicht das Aussetzen der Streiks – ohne verbindliche, überprüfbare Schritte – aus, um das Vertrauen von Pendlern und Personal wiederherzustellen?
Kritische Analyse
Die Lage ist typisch: Auf der einen Seite die Erleichterung in den frühen Morgenstunden, wenn Züge wieder rollen und der Platz vor der Estació Intermodal in Palma langsam mit Pendlern gefüllt wird. Auf der anderen Seite bleibt die inhaltliche Auseinandersetzung offen. Ein Treffen und neue Gesprächstermine sind wichtig, aber nicht selten folgen auf Absichtserklärungen langwierige Prozesse ohne sichtbare Verbesserungen. Die Forderung nach einem Sicherheitsgremium klingt plausibel und ist kein Selbstzweck – sie zielt auf transparente Datenerfassung und Lernprozesse. Entscheidend ist, wie schnell und mit welcher Verbindlichkeit solche Mechanismen umgesetzt werden.
Was im öffentlichen Diskurs fehlt
Die Debatte dreht sich zu oft um den Streik als Ereignis, nicht um die Ursachen. Es fehlt an klaren Informationen darüber, welche konkreten Sicherheitsprobleme wiederkehrend sind: Sind es Signalstörungen, Personalmangel zu Stoßzeiten, unklare Einsatzpläne oder veraltete Fahrzeuge? Ebenso wenig wird über Zeitpläne und Verantwortlichkeiten gesprochen: Wer soll Daten sammeln, wer hat Zugriff, und wie werden Erkenntnisse in veränderte Abläufe übersetzt? Ohne diese Klarheit bleibt vieles Symbolpolitik.
Eine Alltagsszene aus Palma
Am frühen Morgen, wenn die Straßen rund um die Carrer de la Pau in Palma noch feucht sind vom nächtlichen Regen und die Lautsprecher der Estació in regelmäßigen Intervallen Abfahrten ansagen, spürt man die Verwundbarkeit des Systems. Pendler mit Einkaufstüten, Bauarbeiter in gelben Westen, ältere Bewohner mit Rollator – sie alle verlassen sich auf pünktliche Züge. Wenn die Beschäftigten der SFM unruhig sind, schlägt sich das schnell in der Stadt nieder: ein Zug fällt aus, und die Warteschlangen an der Bushaltestelle ziehen sich bis zur Plaça d'Espanya.
Konkrete Lösungsansätze
Um den aktuellen Waffenstillstand in eine nachhaltige Lösung zu verwandeln, schlage ich sechs konkrete Schritte vor: 1) Einrichtung eines Sicherheitsgremiums mit Vertretern von Beschäftigten, Geschäftsführung und externen Fachexperten; 2) Aufbau einer anonymisierten, standardisierten Datenbank für Vorfälle, zugänglich für zugelassene Parteien; 3) feste Fristen für die Umsetzung erster Maßnahmen (z. B. drei Wochen für Sofortmaßnahmen, drei Monate für strukturelle Änderungen); 4) regelmäßige, öffentlich verfügbare Fortschrittsberichte in einfacher Sprache; 5) unabhängige Zwischenprüfungen durch externe Auditoren; 6) verbesserte Kommunikation im Betrieb mit klaren Ansprechpartnern für Mitarbeitende und Fahrgäste.
Warum diese Schritte wirklich helfen
Ein Gremium ohne klare Aufgaben bleibt Papiertiger; Daten ohne Zugriffskontrolle helfen nicht weiter. Nur wenn Vorfälle systematisch erfasst, analysiert und in konkrete Änderungen übersetzt werden, kann das Risiko reduziert werden. Externe Prüfungen schaffen Glaubwürdigkeit, Fristen erzeugen Druck und Transparenz beruhigt die Fahrgäste – weil sie sehen, dass nicht nur geredet wird.
Pointiertes Fazit
Das Aussetzen der Streiks ist eine Atempause, nicht das Ende des Konflikts. Für Pendler auf Mallorca ist das gut — kurzzeitig. Langfristig hängt Ruhe auf den Gleisen von konkreten, überprüfbaren Schritten ab. Die Geschäftsführung und der Betriebsrat stehen jetzt in der Verantwortung: ein Sicherheitsgremium, eine saubere Vorfallstatistik und verbindliche Fristen wären ein guter Anfang. Gelingen diese Dinge nicht, wäre die nächste Streikankündigung keine Überraschung, sondern nur folgerichtig.
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